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Geschichte Fedderwardens

Zusammen mit Sengwarden ist Fedderwarden seit dem 1. Juli 1972 ein Ortsteil der Stadt Wilhelmshaven und liegt im Nordwesten des Stadtgebietes, umgeben von Wiesen, Weiden und Äckern.

Der erste Eindruck, dass es sich bei Fedderwarden nur um eine moderne Wohnsiedlung am Rande der Stadt handelt, trügt, kann der Ort doch auf eine lange Geschichte und wechselvolle Entwicklung zurückblicken:

Schon vor dem Jahre 800 war das Gebiet, in dem Fedderwarden liegt, besiedelt. Eine erste Siedlung trug den Namen „Knull“ - noch heute ein Straßenname im alten Ortskern - wohl als Bezeichnung für eine Erhebung, eine Wurt, die als Kern einen Geesthügel enthält.

Liegt der Ort auch heute fast 10 km von der Küstenlinie entfernt, so galt es doch, sich in früheren Jahrhunderten gerade hier vor den alles vernichtenden Meeresfluten zu schützen. Niedrige Flechtwerkhäuser umschlossen einen Platz, der erhöht auf der Kuppe der Wurt lag, um dort das Vieh zusammenzutreiben, und sich selbst in Sicherheit zu bringen, sobald Sturmfluten zu erwarten waren oder Feinde einfielen.

Der „Knull“ wurde mehrmals erhöht, wobei Boden aus der heute „Pett“ (abzuleiten von Pütt = Bodenentnahmestelle) bezeichneten Hofstelle an der Sillensteder Straße stammt. Die Wurt im alten Ortskern Fedderwardens ist im Bereich der Straßen Kleine Reihe, Am Knull, Lange Straße und Kirchweg noch recht deutlich zu erkennen und war lebensnotwendig, bis Deiche gebaut wurden, die Land und Siedlungen schützten.

Noch heute in und um Fedderwarden beibehaltene Bezeichnungen für Höfe und Wege, lassen es zu, die weitere Entwicklung in diesem Raum nachzuvollziehen. Ob der Name „ Fedderwarden“ nun eher aus einer Zusammensetzung des Personennamens Fedder oder Feddo und der Endung der alten Bezeichnung für Wurt - werden, warden oder wurden - zurückzuführen ist, oder ob vielleicht doch der Name nach Einführung des Christentums entstand, und das 1155 in einem Besitzverzeichnis des Klosters Fulda genannte „Fatruwerde“ als Niederlassung der Fratres oder Mönche unser heutiges Fedderwarden bezeichnet, kann und soll an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden.

Urkundlich wird die Gemeinde 1420 zum ersten Male als „ Ffedderwurden in Frisia“ erwähnt, und die Kirche dem Sendstuhl Jever zugeordnet. Der Ort Fedderwarden und das Leben der bäuerlichen Bevölkerung bleibt in den folgenden Jahrhunderten eher im Hintergrund, während die zum Teil turbulenten Ereignisse auf den benachbarten Burgen In- und Kniphausen mehr in den regionalgeschichtlichen Vordergrund treten.

Die Burg lnhausen, um 1350 errichtet, stand gegenüber der heutigen gleichnamigen Hofstelle nördlich des Steindammer Weges. Ihr Besitzer Popke lnen, Sohn des Erbauers Ine Tiarkesna, stand als Häuptling von Sengwarden der „Herrlichkeit lnhausen“ vor, die gleichzeitig das Kirchspiel Sengwarden bildete. Die Burg Kniphausen - erst 1438 von Lübbo Onneken errichtet - war Sitz der aus den Kirchspielen Fedderwarden und Accum gebildeten „Herrlichkeit Kniphausen“. Die Burg erlangte mehr und mehr an Bedeutung, als Fulf von lnhausen Kniphausen erbte und er somit Herrscher über beide Herrlichkeiten wurde, über ein Gebiet, das sich nördlich der Maade bis zur Küste erstreckte und Sengwarden und Accum mit einschloss. lnhausen verfiel zusehends und wurde von Fulfs Sohn Tido gar abgebrochen, um das Vorwerk Tidofeld (südlich der lnhauser Straße) zu bauen. Um 1500 war die Burg noch Zentrum der Seeräuber, in der Sächsischen Fehde 1514, als Herzog Heinrich von Braunschweig in Ostfriesland einfiel, wurde sie zerstört, 1549 wieder aufgebaut. 1708 wurde sie Opfer eines Brandes, woraufhin nur das ehemalige Wirtschaftgebäude, der Marstall, mit dem achteckigen Turm wieder aufgebaut und als Schloss eingerichtet wurde, jene Gebäude, die heute noch bestehen.

Bis 1853 war Kniphausen Behördensitz eines selbständigen Staatswesens und unterlag als neutraler Staat 1806 versehentlich nicht der durch Napoleon verhängten Kontinentalsperre, die den Handel mit England unterbinden sollte.

Landwirtschaft war in Fedderwarden der vorherrschende Erwerbszweig über viele Jahrhunderte. Der fruchtbare Marschboden war gute Grundlage für den Getreideanbau, aber auch für Pferdehaltung und -zucht. Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind neben den Bauern, die nun Weide- und Milchwirtschaft betrieben, auch andere Berufgruppen stärker vertreten: Schiffbau von der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven, Warenhändler, Schneider, Schuhmacher und Zimmerer. Schon in dieser Zeit war Fedderwarden also Wohnort für in Wilhelmshaven Arbeitende.

Die Oldenburger Verwaltungsreform von 1933 brachte Fedderwarden Bedeutung als Verwaltungssitz für die neugebildete Großgemeinde Kniphausen mit den ehemaligen Kirchspielen Accum, Sillenstede, Sengwarden und Fedderwarden. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, der Bau des „alten“ Spritzenhauses und des heutigen Schulgebäudes, das Schulzentrum für die vier Gemeindeteile war, sind Ergebnis dieser Reform.

Für Siedlungszwecke vereinnahmte die Stadt Wilhelmshaven 1938 einen Großteil des Fedderwarder Gemeindegebietes, woraufhin erst die Siedlungen Fedderwardergroden und Voslapp entstehen konnten, aber auch Himmelreich, Coldewei und die Burg Kniphausen gehörten von nun an zum Wilhelmshavener Stadtgebiet. 1948 wurde die Oldenburger Gemeindereform in großen Teilen wieder aufgehoben. Das beabsichtigte Zusammenwachsen und Zusammengehörigkeitsgefühl war vielerorts nicht eingetreten, so auch in der Gemeinde Kniphausen. Obwohl Sengwarden selbständig werden wollte, Sillenstede sich Jever und Accum und Fedderwarden sich eher Wilhelmshaven zugehörig fühlten, bestimmte der Landtag des Freistaates Oldenburg, Fedderwarden mit Sengwarden zur „Landgemeinde Sengwarden“ zusammenzuschließen und dem Landkreis Friesland anzugliedern.

Flüchtlinge und Kriegsversehrte, für die nach dem Krieg am Mennhauser Weg Baracken errichtet wurden, brachten der Gemeinde in den 50er Jahren einen ersten Einwohnerzuwachs. Die Kirche stellte Bauland in Erbpacht zur Verfügung und Gelder aus dem Barackenräumprogramm konnten für Neubauten (z. B. an der Breslauer Straße) verwendet werden.

Als wohl letzter Grenzänderungsakt erfolgte am 1. Juli 1972 - aufgrund der niedersächsischen Gemeindereform - der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinde Sengwarden mit Wilhelmshaven, nachdem Verhandlungen mit Sillenstede, Hooksiel und Waddewarden gescheitert waren.

Der schon 1970 aufgestellte Grenzänderungsvertrag legte fest, dass der Ortsteil Sengwarden mit dem Teilgebiet Fedderwarden gegenüber der Stadt Wilhelmshaven durch einen Ortsrat vertreten wird. Zur Wahrung der landwirtschaftlichen und örtlichen Interessen ist ein Entscheidungsrecht (z. B. Verwendung von eigenen Haushaltsmitteln) und ein Anhörungsrecht (z. B. bei Planungen für den Ortsteil) gesichert.

Den gewählten Vertretern - die Fedderwarder sind zur Zeit (Ende 1984 - Anm. des Webmasters) im Ortsrat mehrheitlich vertreten - steht der Ortsbürgermeister vor, die Dienststelle ist die Verwaltungsstelle Sengwarden in der dortigen ehemaligen Schule.

1974 noch hatte Fedderwarden rund 760 Einwohner. Im gleichen Jahr wurde der Beschluss gefasst, hier neue Wohngebiete zu erschließen. Das Ziel: eine Einwohnerzahl von 2000. So wurde zunächst das Gebiet Ulrich-/Schipper-Straße und ab 1978/80 der Norden um lnostraße/Maike- und Tommaweg mit Ein- und Zweifamilienhäusern gebaut. Heute (Ende 1984 - Anm. des Webmasters) hat Fedderwarden die geplante Einwohnerzahl fast erreicht: sie beträgt 1960.

Mit den Bauaktivitäten und dem Zuzug der Neubürger hat sich der ehemals landwirtschaftliche Charakter des Ortes endgültig geändert. Abgesehen von den Hofstellen im nahen Umkreis oder am Ortsrand, gibt es im Dorf keinen Landwirt mehr. Der größte Teil der Bewohner arbeitet im benachbarten Stadtgebiet, ein kleinerer in Fedderwarden selbst bei Handwerksbetrieben und anderen Einrichtungen.

Die Lage am Stadtrand bringt es mit sich, dass viele Fedderwarder lange Wege zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen zurücklegen müssen. Dass sie trotzdem gerne in diesem Stadtteil wohnen, zeigen ihre vielen gemeinsamen Aktivitäten. Jüngstes Beispiel dafür ist die Einrichtung des Jugendzentrums im ehemaligen Spritzenhaus. Uberwiegend in Selbsthilfe von Fedderwarder Jugendlichen, unter fachkundiger Anleitung und Zuhilfenahme von Sach- und Geldspenden, wurde das Spritzenhaus in kaum zwei Jahren umgebaut, so dass es in diesem November (1984- Anm. des Webmasters ) eingeweiht werden konnte. Ein gemeinnütziger Trägerverein zeichnet für das Projekt verantwortlich.

Besonders aktiv zeigt sich auch der Bürgerverein, dessen Mitgliederzahl sich durch die neuen Bewohner beträchtlich erhöht hat. Während unter seiner Obhut z. B. das Dorffest, das Binden der Erntekrone, der Laternenumzug stattfindet, vereinigt die Siedlergemeinschaft eher die alteingesessenen Fedderwarder unter sich. Viele ältere Fedderwarder treffen sich wöchentlich „zum Klönsnack“ ‚ während die Kleinen sich im Spielkreis versammeln. Die dorfeigene Schule können zur Zeit nur die Vorschüler und Erstklässler besuchen, die älteren Schüler müssen nach Sengwarden, später nach Fedderwardergroden bzw. ins übrige Stadtgebiet.

Auch für sportliche Betätigung bietet Fedderwarden Raum: Der TuS Fedderwarden mit eigenem Sportplatz und der Boßelverein zählen viele Aktive. Bademöglichkeiten gibt es am Barghauser See, auch wenn der See - als ökologischer Ausgleichsraum - überwiegend der natürlichen Entwicklung und Erhaltung von Tieren und Pflanzen dient. Die Kirchengemeinde leistet ihren Beitrag zum gemeinschaftlichen Leben in der Betreuung von Jugend- und Frauenarbeit.

Die kleine Kirche St. Stephan mit dem überwölbten Hauptschiff, aus Backsteinen gemauert, wurde immer als unscheinbare Dorfkirche - wie viele in Ostfriesland - angesehen. Bei Restaurierungsarbeiten 1976 entdeckte man unter mehreren Putzschichten mittelalterliche Malereien, die in Norddeutschland bislang einzigartig sind. Vergleiche mit anderen Ausmalungen lassen den Schluß zu, daß diese Ausmalung - und somit auch die Kirche - bereits Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, sie in Fedderwarden mit Sicherheit das älteste Gebäude darstellt, und somit den Kreis zu den Anfängen Fedderwardens schließt.

Quelle: Sonderdruck der „Wilhelmshavener Zeitung" vom 12. Dezember 1984, Text: Heike Coldewey


 

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